Trauerbewältigung

Ablauf, Dauer und hilfreiche Tipps

Schmerz und Verlust

Hilfe bei der Trauerbewältigung

Schicksalsschläge und Trauerfälle ereilen uns meist dann, wenn wir am wenigsten damit rechnen. Solche Ausnahmesituationen sind sehr belastend, da fast alle von uns auf Gefühle der Trauer nicht vorbereitet sind. Meist wissen wir nicht recht, wie wir damit umgehen sollen. Laut Psychoanalytikern ist Trauer der größte emotionale Stress, den ein Mensch erfahren kann.

In diesem Fall ist die Trauerbewältigung sehr wichtig. Sie beschreibt den Prozess, in dem Personen ihre Trauer verarbeiten. Wenn du mit Trauergefühlen zu kämpfen hast, gibt es für dich viele unterstützende Anlaufstellen, aber auch Tipps, mit denen du dir selbst weiterhelfen kannst.

Wann ist Trauerbewältigung wichtig?

Für Trauer gibt es viele verschiedene Gründe und Auslöser. Diese sind von Person zu Person unterschiedlich und hängen stark von der individuellen Situation ab. Der häufigste Grund für Trauergefühle ist der Tod und Verlust eines geliebten Menschen. In diesem Fall bricht für die Hinterbliebenen oft eine Welt zusammen. Es gibt aber auch andere Szenarien, die Trauer auslösen, wie zum Beispiel eine schmerzliche Trennung oder das Ende eines Lebensabschnitts.

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Trauerbewältigung verläuft in mehreren Phasen, die ineinander übergehen.

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Die Phasen der Trauer

Die Trauerbewältigung verläuft für gewöhnlich in mehreren Phasen. Dazu wurden bereits einige Phasenmodelle aufgestellt, die den Trauerprozess näher beschreiben. Eines dieser Modelle wurde in den 1980er Jahren von der Schweizer Psychotherapeutin Verena Kast entwickelt. Sie geht davon aus, dass die Trauer in vier Phasen abläuft, die unterschiedlich lang dauern können. Das Phasenmodell hilft Trauernden und deren Bezugspersonen, den Prozess und die Gefühle der Trauerbewältigung besser zu verstehen. Die vier Trauerphasen laufen nicht immer streng voneinander getrennt hab, sondern können auch ineinander übergehen und zusammenhängen.

1. Verleugnung

Die erste Phase ist die unmittelbare Reaktion auf einen Schicksalsschlag und damit eine der schwierigsten Stufen der Trauerbewältigung. Nach einem Trauerfall stehen die Betroffenen unter Schock und wollen nicht wahrhaben, was passiert ist. Sie leugnen ihren Verlust und belügen sich selbst, um sich vor den starken Gefühlen zu schützen. Dadurch befinden sie sich in einem Trance-Zustand, in dem sie die Realität ausblenden. Diese Phase kann von wenigen Stunden über einige Tage bis hin zu mehreren Wochen andauern. Dann erst erkennen die Betroffenen, dass sie der Wahrheit nicht länger ausweichen können.

Handlungsempfehlung für Bezugspersonen

Hier ist es wichtig, die Reaktion der trauernden Person zu akzeptieren. Wenn du jemanden kennst, der gerade einen Schicksalsschlag erlitten hat, ist es am besten, wenn du für diese Person da bist und Mitgefühl vermittelst. Vielleicht kannst du den Betroffenen im Alltag unterstützen und da sein, wenn die Person das möchte.

 2. Aufbrechende Emotionen

Die zweite Phase der Trauer ist durch aufbrechende Gefühle und starke Emotionalität geprägt. Nachdem zuvor alles verdrängt wurde, werden die Betroffenen nun mit Gefühlen wie Wut, Schmerz, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und intensiver Traurigkeit konfrontiert. Auch plötzliche Gefühlsschwankungen sind in dieser Phase nicht ungewöhnlich. Die emotionale Belastung macht sich meist auch körperlich bemerkbar, zum Beispiel in Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit. Es kann aber auch das Gegenteil der Fall sein, wie extreme Müdigkeit oder übermäßiger Konsum.

Die Ausprägung ist von Person zu Person unterschiedlich.

Trauernde denken die meiste Zeit an ihren Verlust und haben das Gefühl, dass sie nie wieder glücklich sein können. Damit ist diese Phase die schmerzlichste der Trauerbewältigung.

Handlungsempfehlung für Bezugspersonen

Du kannst der trauernden Person helfen, indem du aufmerksam zuhörst. Versuche gar nicht erst, sie von den negativen Gefühlen abzulenken. In dieser Phase ist es enorm wichtig, dass alle Gefühle zugelassen und „gefühlt“ werden. Die Betroffenen müssen selbst herausfinden, wann es für sie soweit ist, weiterzuziehen.

 3. Neuorientierung

Trauernde finden in dieser Phase allmählich in ihren Alltag zurück und die Trauer tritt mehr in den Hintergrund. Es fällt den Betroffenen leichter, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Da der Schicksalsschlag allerdings immer noch dauerhaft präsent ist, ist eine bewusste Entscheidung gefragt: Die trauernden Personen müssen sich entscheiden, ob sie ihr Leben fortführen oder weiterhin trauern möchten. Entscheiden sie sich dazu, weiterzumachen, sind sie wieder vermehrt in der Lage dazu, die positiven Dinge zu sehen.

Handlungsempfehlung für Bezugspersonen

Unterstütze die trauernde Person bei der Neuorientierung und habe dabei stets Geduld. Es ist wichtig, die betroffene Person nicht zu drängen, mit dem Schicksalsschlag abzuschließen. Stattdessen solltest du die Emotionen ernst nehmen und akzeptieren.

 4. Akzeptanz

Mit dieser Phase finden Trauernde langsam wieder ihr inneres Gleichgewicht und übernehmen Verantwortung für ihr Leben. Sie sind in der Lage, Pläne für ihre Zukunft zu schmieden und das Vergangene hinter sich zu lassen. Das schmerzhafte Ereignis bleibt zwar weiterhin in Erinnerung, ist aber nicht mehr allgegenwärtig.

Handlungsempfehlung für Bezugspersonen

Auch hier solltest du der trauernden Person unterstützend zur Seite stehen, zum Beispiel bei Veränderungen, die diese Person in ihrem Leben vornimmt. Gleichzeitig solltest du wissen, dass die Trauerbewältigung mit der vierten Phase nicht immer endgültig abgeschlossen ist. Auch danach kann es noch zu Rückfällen kommen.

Wie lange dauert Trauerbewältigung?

Wie lange der Prozess der Trauerbewältigung dauert, lässt sich pauschal nicht beantworten, denn Trauer braucht Zeit. Es kann ein halbes Jahr dauern, ein ganzes Jahr oder auch mehrere Jahre.

Jeder Mensch geht anders mit Trauer um, und jeder muss für seine individuelle Situation die beste Art der Trauerbewältigung finden.

Auch die einzelnen Phasen der Trauer können länger oder kürzer dauern. Einige Menschen trauern überdurchschnittlich schwer und haben Probleme damit, den Übergang von einer Phase in die nächste zu bewältigen. Auch Rückschritte in vorherige Phasen sind nicht ungewöhnlich.

Krankhafte Trauer

Nach einem Schicksalsschlag oder einem Verlust ist Trauer ganz normal. Dementsprechend darf auch die Trauerbewältigung ruhig etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Haben die betroffenen Personen allerdings sichtbare Schwierigkeiten bei der Trauerbewältigung, kann dahinter auch krankhafte Trauer stecken. Ein anerkanntes Krankheitsbild ist die krankhafte Trauer nicht, außerdem lässt sich nicht verallgemeinernd sagen, ab wann die Gefühle krankhaft werden. Als Richtwert gelten hierbei jedoch sechs Monate.

Unterschied zur Depression

Außerdem ist es wichtig, zwischen Trauer und Depressionen zu unterscheiden. Beide Phänomene charakterisieren sich durch Niedergeschlagenheit, Verletzlichkeit und Kraftlosigkeit. Allerdings gilt Trauer nicht als eine psychische Störung und darf auch nicht als solche behandelt werden.

Während die Trauer häufig von allein wieder vergeht und durch Trauerarbeit gemildert werden kann, sind Menschen, die an einer Depression leiden, in den meisten Fällen auf therapeutische Hilfe angewiesen.

Im Gegensatz zu Trauernden erleben Menschen mit Depression eine anhaltende negative Grundstimmung und fühlen sich dieser ausgeliefert. Allerdings kann krankhafte Trauer unter Umständen zu einer Depression werden, wenn die Betroffenen nicht in der Lage sind, die Trauer zu verarbeiten.

Das kann dir bei der Trauerbewältigung helfen

Wenn du unter einem Schicksalsschlag leidest und Schwierigkeiten bei der Trauerbewältigung hast, gibt es einige Tipps, die dir bei der Verarbeitung helfen können.

1. Sprich mit Bezugspersonen über deine Gefühle

Es ist wichtig, dass du in dieser Zeit nicht allein bist und deine Gefühle nicht in dich hineinfrisst. Es kann dir enorm helfen, deinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und alles anzusprechen, was dich beschäftigt. Vertraue deine Gefühle und Gedanken einer engen Bezugsperson an, die für dich da ist und dich unterstützt.

2. Schreibe deine Gefühle auf

Wenn du nicht gern über deine Trauer sprechen möchtest, schreibe deine Gedanken und das Erlebte auf. Hier kannst du zum Beispiel ein Tagebuch führen, in dem du deine Gedanken verschriftlichst. So hast du die Möglichkeit, deine Fortschritte zu dokumentieren und wichtige Kernbotschaften festzuhalten. Außerdem kannst du auf das Geschriebene immer wieder zurückblicken.

3. Gib dir genug Zeit

Es gibt keine Vorschrift, wie lange du trauern sollst oder darfst. Das Ganze dauert so lange, wie es eben dauert – und das ist vollkommen in Ordnung. Jeder Mensch trauert auf seine eigene Weise und dieser Prozess lässt sich nicht zwanghaft beschleunigen. Lasse dich also nicht unter Druck setzen und nimm dir die Zeit, die du brauchst.

 4. Lasse deine Trauer zu

Bei der Trauerbewältigung musst du deine Gefühle nicht unterdrücken. Im Gegenteil: Die Trauergefühle müssen gefühlt werden, denn nur so kannst du sie verarbeiten. Du musst dich nicht verstellen und auch nicht so tun, als ginge es dir gut.

5. Lenke dich ab

Zwar ist es wichtig, die Trauergefühle zuzulassen, zwischendurch solltest du dich aber auch davon ablenken und versuchen, dich anderen Dingen zu widmen. Das hilft dir dabei, Schritt für Schritt in den Alltag zurückzufinden und dich mit Neuem zu beschäftigen. Unternimm regelmäßig etwas, das dir Spaß macht, damit es dir besser geht.

6. Tue dir selbst etwas Gutes

Insbesondere in schwierigen Phasen ist es völlig in Ordnung, wenn du dir selbst etwas Gutes tust. Wenn du dir schon länger ein neues Buch, eine neue Kaffeemaschine oder neue Kleidung zulegen wolltest, ist jetzt ein guter Zeitpunkt dafür. Es muss nicht unbedingt etwas Großes sein, denn auch mit Kleinigkeiten kannst du dir eine Freude machen.

Weitere Hilfen zur Trauerbewältigung

Wenn du das Gefühl hast, dass du allein nicht aus der Trauer herauskommst, solltest du nicht davor zurückschrecken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Hier gibt es viele verschiedene kirchliche oder städtische Anlaufstellen, auf die du zurückgreifen kannst. Zu Beginn kannst du mit deinem Hausarzt sprechen, der dir zum Beispiel einen Therapeuten oder eine Selbsthilfegruppe vermittelt. Hilfe zur Trauerbewältigung findest du außerdem bei der Deutschen Telefonseelsorge oder beim Bundesverband Trauerbewältigung eV. Informiere dich, welche Möglichkeiten es in deiner Nähe gibt, und zögere nicht, dir bei der Suche von deiner Familie oder von Freunden helfen zu lassen.