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Unsicherheit in der Lebensmitte

Was ist eine Midlife-Crisis?

Als Midlife-Crisis wird eine krisenhafte Phase bezeichnet, die in der Lebensmitte – meistens zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr – auftritt. Der Begriff wurde im Jahr 1957 erstmalig durch den kanadischen Psychoanalytiker Elliott Jaques bekannt. 

Genauso wie damals wird auch heute noch die Midlife-Crisis vermehrt mit Männern in Verbindung gebracht. Der Begriff steht dem der Wechseljahre bei den Frauen gegenüber, obgleich diese auch eine ähnliche Phase durchmachen. In der krisenhaften Lebensphase überdenken viele Menschen ihr Leben kritisch und sehen ihrer Zukunft eher zweifelnd entgegen. Das liegt vor allem an der Erkenntnis, dass die Hälfte des Lebens schon fast vorbei ist. Neben dieser Erkenntnis der Sterblichkeit spielen auch körperliche und seelische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung der Midlife-Crisis.

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Betroffene betrachten ihr Leben, als wäre es schon vorbei – oder, als ginge nur noch alles bergab, was natürlich nicht der Fall ist.

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Wie entsteht eine Midlife-Crisis?

Die menschliche Wahrnehmung verändert sich in der Mitte des Lebens. So scheinen die wichtigsten Bedürfnisse und Ziele schon erreicht: Familie, Kinder, Hausbau und finanzielle Belange. Auch auf beruflicher Ebene sind womöglich keine großen Sprünge mehr wahrscheinlich. Betroffene geraten in eine Sinnkrise. Sie betrachten ihr Leben, als wäre es schon vorbei – oder, als ginge nur noch alles bergab, was natürlich nicht der Fall ist.

Ob du in so eine Krise kommst und wie lange diese dann wirklich andauert, hängt davon ab, wie stark dein eigenes Selbstwertgefühl ist. Zwischen 3 und 10 Jahren kann alles dabei sein. Aber individuell unterschiedlich. Wichtig ist auch, wieviel du glaubst verpasst zu haben und wie gut du dich an familiäre, körperliche und emotionale Veränderungen anpassen kannst.

 

Wusstest du, dass…

…die Lebenszufriedenheit in einer U-Kurve verläuft? Nach einer Studie von David Blanchflower und Andrew Oswald  aus dem Jahr  2008, ist der Tiefpunkt im Leben demzufolge mit dem Alter von 46 Jahren erreicht. Danach gehe es bei den meisten Menschen wieder bergauf. Das größte Problem stellt dabei meistens die Angst dar, in dieser Sinnkrise stecken zu bleiben. Diese Angst sollte erst gar nicht in dir hochkommen, denn aus dieser Lebenskrise kommt jeder wieder raus.

 

Die Symptome einer Midlife-Crisis

Die Midlife-Crisis äußert sich auf verschiedene Weise in Gedanken, Gefühlen und im Verhalten. Sie kann von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt sein. Der grundsätzlich Frage, mit der sich Betroffene jedoch beschäftigen, ist die gleiche: War das wirklich schon alles in meinem Leben oder kommt da noch etwas?

Auswirkungen der Midlife-Crisis:

  • Gereiztheit
  • Unzufriedenheit/Pessimismus/Trauer
  • Wut
  • Angst vor der Zukunft
  • Innere Leere/Ohnmacht/Überlastung
  • Selbstzweifel
  • Schuldgefühle

Männer und Frauen: Midlife-Crisis-Symptome

Eine Lebenskrise im Sinne einer Midlife-Crisis könenn Männer wie Frauen bekommen. Meist sind die Auswirkungen und Symptome aber leicht unterschiedlich.

1. Midlife-Crisis Symptome beim Mann

Die Symptome beim Mann sind neben den oben schon beschriebenen, allgemeinen Auffälligkeiten, wie folgt noch weiter auszuweiten:

  • Testosteron nimmt langsam ab
  • Verlust von Muskeln
  • Müdigkeit
  • depressive Verstimmungen
  • Höheres Seelenleid (weil sie ohnehin schon ungerne über eigene Gefühle, Probleme und Schwierigkeiten sprechen)

Generell äußert sich die Lebenskrise bei Männern weitaus weniger gravierend als bei den Frauen.

2. Midlife-Crisis Symptome bei der Frau:

Bei den Frauen sind, neben den allgemeinen Symptomen, noch folgende Symptome möglich, die auch mit den Wechseljahren einhergehen:

  • nachlassende Leistungsfähigkeit
  • Lebenszeit scheint schneller zu vergehen
  • Attraktivität scheint zu sinken
  • körperliche Symptome der Menopause
  • Östrogenspiegel sinkt rapide
  • stärkeres Schwitzen
  • Schmerzen in der Brust und im Arm
  • höheres Risiko für Knochenbrüche

Im Vergleich zu den Männern können sich Frauen eher mit ihren Problemen auseinandersetzen. Sie sprechen gerne mit Familie und Freunden über ihre körperlichen und seelischen Veränderungen. Dabei lassen sie sich meist auch offen über alle möglichen Lösungswege beraten.

Midlife-Crisis mit 30 – geht das?

Eine Midlife-Crisis kann auch schon früher eintreffen als geplant – nur nennt man diese anders. Die sogenannte „Quarterlife-Crisis“ tritt vor allem bei Endzwanzigern auf und meint eher eine Identitätskrise im Selbstfindungsprozess. Diese wird, ähnlich wie bei der Midlife-Crisis, auch durch die Angst, Dinge zu verpassen (FOMO = Fear of Missing Out) verursacht.

Die Entscheidungsangst kommt dem noch hinzu. Betroffene sind oftmals Idealisten, akademisch gebildete junge Erwachsene, die einerseits ein aufregendes Leben anstreben, gleichzeitig aber auch schon vorausplanen und alles in sicheren Tüchern wissen wollen. Dabei spielt die Angst mit, Fehler zu begehen, die man im späten Leben bereuen könnte.

Genau genommen ist die Quarterlife-Crisis also schon als die Angst vor der Midlife-Crisis zu verstehen.

In der Qarterlife-Crisis prallen jedoch die verschiedensten Dinge aufeinander. Schließlich haben die Endzwanziger ja noch genügend Ziele und Träume, die sie verfolgen wollen. Bist du in diesem Alter, planst du wahrscheinlich auch noch den weiteren Verlauf deiner Karriere, dennoch kommen auch die Gedanken über Liebe, Beziehungen und Nachwuchs hinzu. Wie lässt sich das nur bloß vereinbaren?

Wie in jeder anderen Krise, gilt auch hier herauszufinden, woran es hapert und vor allem dabei die Ruhe zu bewahren. Es liegen doch noch so viele Jahre vor einem, da kann man schon mal etwas länger über seine Lebensziele nachdenken, sofern man seinen Entwicklungsprozess dabei nicht endgültig ausbremst.

So meisterst du eine schwierige Lebenssituation

Wenn du oder dein/e Partner/in in einer solchen Krise stecken, ist es wichtig dir bewusst zu machen, dass diese Phase auch wieder vorübergeht. Um aus dieser Midlife-Crisis herauszukommen, solltest du achtsam sein und herausfinden, was genau schiefläuft, was dich belastet und was du verändern möchtest.

In diesem Zusammenhang wirst du auch oft vom Begriff Resilienz hören. Dieser bedeutet nicht viel mehr als Widerstandsfähigkeit. Damit ist hier vor allem die Fähigkeit gemeint, Krisen mithilfe erlernter, persönlicher Ressourcen zu bewältigen.

Diese Ressourcen werden auch Resilienzfaktoren genannt und ermöglichen es dir, gestärkter aus Krisen hervorzugehen.

Es muss zudem noch nicht mal mehr zu einer Krise gekommen sein. Als resilienter Mensch bist du nämlich weniger anfällig für Stress und Druck, zumindest weißt du schon im Voraus, wie du damit umgehen solltest. Wenn du also ein weniger resilienter Mensch bist, solltest du dies zunächst in Angriff nehmen, denn Resilienzfaktoren können erlernt werden.

Wie verhalten, wenn der Partner in der Midlife-Crisis steckt?

Wenn dein Partner sich in der Midlife-Crisis befindet, erfordert es sehr viel Verständnis deinerseits. Du musst deinem Partner ein offenes Ohr schenken und ihm zeigen, dass seine Bedürfnisse gehört und auch verstanden werden. Lege dabei nicht jedes Wort zu sehr auf die Goldwaage, denn er wird öfter mal Aussagen treffen, die er gar nicht so meint.

Wichtig ist, dass du deinem Partner signalisierst, dass du ihn wertschätzt und einige Vorzüge von ihm wahrnimmst, die er gerade hinterfragt.

Zeige Interesse und unterstütze ihn in seinem Vorhaben, Dinge verändern zu wollen. Bleibe dabei aber realistisch und unterstütze nicht jeden Schwachsinn, der aus dem Affekt entstanden ist. Es gilt das richtige Maß an Verständnis und Sachlichkeit an den Tag zu legen, sodass sich dein Partner verstanden fühlt und er dir vertrauen kann, wenn du auch mal zu einer Idee deine klare Meinung vertrittst.

Vermutlich braucht dein Partner einfach etwas mehr Bestätigung in dieser Phase seines Lebens und das solltest du akzeptieren und verstehen. Unternehmt viel gemeinsam, das wird ihm Kraft geben, sich wieder in die richtige Richtung lenken zu können.

Findet gemeinsam einen Weg daraus und sollte das so nicht funktionieren, holt ärztliche Hilfe hinzu, denn eine Midlife-Crisis kann durchaus gesundheitliche Folgen mit sich bringen.

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