Selbstgespräche

Trete mir dir selbst ins Gespräch

von | 22.10.2020

Sei gut zu dir selbst

Selbstgespräche: Setze sie gezielt ein

Hast du dich auch schon mal dabei ertappt, wie du mit dir selbst sprichst? – Keine Sorge, mindestens 96 Prozent aller Menschen auch! Warum wir öfter mit uns selbst in den Dialog treten sollten und welche positiven Auswirkungen das hat, verraten wir dir in diesem Artikel. Erfahre auch, ob dein „Self-Talk“ förderlich ist.

Was sind Selbstgespräche?

Die beruhigende Nachricht vorweg: Wir alle führen Selbstgespräche! Es handelt sich dabei um die Stimme in unserem Kopf, die uns gelegentlich Dinge zuflüstert, wie „Ich brauche noch Tomaten“ oder „Mist, schon sieben?“. Bei dieser Art der Kommunikation handelt es sich beim Sender und Empfänger um dieselbe Person. Die Autokommunikation erfüllt zahlreiche nützliche Funktionen in unserem Gehirn. Psychologe Thomas Brinthaupt unterscheidet vier gesunde Arten des Monologs:

Vier gesunde Arten des Monologs nach Brinthaupt:

  • Selbstbestätigung („Das hab ich wirklich gut gemacht“)
  • Selbstmanagement („Nach dem Termin muss ich noch einkaufen“)
  • Soziale Bewertung („Die ist wirklich nett“)
  • Selbstkritik („Das hätte ich besser machen können“)

Warum Selbstgespräche förderlich sind

Selbstgespräche – auch Self-Talk genannt – finden häufige Anwendung in der kognitiven Verhaltenstherapie, weil sie eine nachweislich positive Wirkung auf uns haben, unser Selbstbild prägen und unsere Konzentration steigern können.

Steigerung des Denkvermögens durch das Selbstgespräch

Zahlreiche Experimente zeigen, dass Selbstgespräche dabei helfen, unsere Konzentration und Leistungsfähigkeit zu steigern. Du hast sicherlich auch bereits die Erfahrung gemacht, dass du Texte besser verstehst, wenn du sie laut vorliest oder du dir deinen Vortrag besser merken kannst, wenn du ihn hörbar vorträgst. Der Merkeffekt ist ein anderer, denn Selbstgespräche übernehmen eine wichtige Verarbeitungs- und Strukturierungsfunktion.

Selbstgespräche helfen gegen Stress

Das Selbstgespräch ist eine gute Möglichkeit, um mit Stress umzugehen. Es fungiert als Ventil für starke Gefühle und hilft dir, dich selbst zu reflektieren oder dir Durchhaltevermögen zuzusprechen.

Einen besonders hohen Effekt hat ein Selbstgespräch, wenn du in der dritten Person von dir und zu dir sprichst. So schaffst du eine psychologische Distanz und kannst dein eigener „externer“ Ratgeber sein, der dir hilft, Stress zu reduzieren.

Mit Selbstgesprächen zu mehr Selbstbewusstsein

Selbstgespräche beeinflussen unser Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen enorm, weshalb sie ideal dafür eingesetzt werden können, diese Attribute zu stärken. Positive Mantren können deine Selbstwahrnehmung verändern und dich motivieren. Trete in eine respektvolle Interaktion mit dir selbst und spreche dir gelegentlich Mut und Lob zu.

Unterstütze dich selbst dabei, Entscheidungen zu treffen

Entscheidungen fallen dir leichter, wenn du dich mit Freunden berätst? – Nimm einen differenzierten Blick ein, indem du mit dir selbst ins Gespräch trittst. Auf diese Weise kannst du Entscheidungen besser fällen, wenn kein anderer Berater in der Nähe ist.

Motivierende Phrasen, die du öfter zu dir selbst sagen solltest:

  • „Du schaffst das!“
  • „Du kannst stolz auf dich sein“
  • „Die Herausforderung hast du gut gemeistert“
  • „Das Kleid steht dir wirklich gut“
  • „Du hast dich mal wieder selbst übertroffen“
Selbstgespräche bei Kindern

Selbstgespräche bei Kindern

Bei Kindern sind hörbare Selbstgespräche völlig normal. Zwei- bis Fünfjährige lassen gerne lautstark ihren Tag Revue passieren oder träumen sich hörbar in eine Fantasiewelt. Dieses Verhalten ist an die Entwicklung des Gehirns geknüpft und unterstützt die Kleinen bei der mentalen Verarbeitung von Erlebnissen. Im Alter von fünf Jahren beginnen Kinder, Schamgefühl zu verspüren und verlagern ihre Monologe ins Innere.

Selbstgespräche gegen Einsamkeit

Nicht selten sprechen ältere Menschen mit sich selbst oder mit ihrem verstorbenen Partner. In der Psychologie gilt dieses Verhalten nicht als krankhaft, sondern ist eine Art Schutzmechanismus, um den Mangel an sozialem Austausch auszugleichen. Häufige Einsamkeit kann die geistige und körperliche Gesundheit beeinflussen.

TIPP: Nimm dir Zeit und tausche dich beim Einkauf oder Warten auf die Bahn mit älteren Personen aus, statt ihnen bewusst oder unbewusst zu signalisieren, dass du keine Lust auf diese Unterhaltung hast. Behalte im Hinterkopf, dass deine Worte einen anderen Menschen mit Freude erfüllen können.

Fünf häufige Fragen zu Selbstgesprächen

Warum ist es wichtig, gute Gedanken laut auszusprechen?

Positive Gedanken können deinen Bezug zu dir selbst verändern, dich motivieren und stärken. Zudem kannst du auf diese Weise deine Konzentration steigern und so bessere Ergebnisse erzielen.

Was sagen Forscher über das Gespräch mit sich selbst?

Forscher und Psychologen sind sich über den positiven Effekt des Selbstgesprächs, der sich durch zahlreiche Studien belegen lässt, einig. Deshalb wird es oft als Methode in der Verhaltenstherapie eingesetzt.

Warum reden Erwachsene selten mit sich selbst?

Im Laufe unseres Lebens lernen wir, dass Erwachsene lieber nicht mit sich selbst sprechen sollten. Zum einen entwickeln wir bereits im Kindesalter ein Schamgefühl, welches uns daran hindert, unser Inneres nach außen zu tragen, zum anderen beobachten wir, dass Erwachsenen, die mit sich selbst reden, häufig eine Erkrankung zugeschrieben wird. Die negative Assoziation ist der Grund dafür, warum wir die positiven Aspekte des Selbstgesprächs oft nicht wahrnehmen. 

Welche Rolle spielen Selbstgespräche in der Karriere?

Im Büro solltest du vielleicht nicht jedes gedachte Wort laut aussprechen, sei dir aber bewusst, dass der Monolog hilft, dich besser zu konzentrieren und deine Gedanken zu strukturieren. Außerdem kannst du auf diese Weise bessere Entscheidungen treffen und dich in stressigen Situationen schneller fassen.

Warum ist es wichtig, seine Gedanken vor dem Selbstgespräch zu überprüfen?

Gedanken werden Materie. Dieser Ansatz meint, dass du durch deine Gedanken unbewusst Dinge, Menschen und Gefühle in dein Leben ziehst, die es letzten Endes ausmachen. Sind deine Gedanken häufig negativ, wirkt sich das auf dein Leben aus. Laut ausgesprochen verstärkt sich dieser Effekt.

Dialog vs. Monolog

Schädliche Arten von Self-Talk

Auch wenn die positiven Effekte erkennbar sind, kann das Gespräch mit sich selbst auch schädlich sein. Je nach Inhalt kann es der Grund für eine verzerrte Selbstwahrnehmung sein. Minderwertigkeitsgefühle werden durch häufiges Schimpfen mit sich selbst in Form von Selbstkritik oder -mitleid verstärkt. Kreisen deine Gedanken um Fehlentscheidungen, bekommst du zunehmend das Gefühl, versagt zu haben. Durch Monologe solcher Art können Depressionen, soziale Ängste und weitere psychische Probleme auftreten.

Schädliche Phrasen, die du nicht zu dir sagen solltest:

  • „Du Idiot“
  • „Das schaffst du niemals“
  • „Was hast du dir nur dabei gedacht?“
  • „Du bist es nicht wert“
  • „Dich möchte niemand“

Ab wann sind Selbstgespräche krankhaft?

Obwohl Psychologen davon überzeugt sind, dass das Sprechen mit sich selbst eine wertvolle Aufgabe in unserem Leben übernimmt, wirkt lautstarkes Denken im öffentlichen Raum eher befremdlich. Selbstgespräche können tatsächlich ein Indiz für psychische Probleme wie Depressionen, Demenz oder Zwangsstörungen sein, da die Denkabläufe dieser Menschen gestört sind.

Das Vor-Sich-Her-Brabbeln in der Bahn verweist meist nicht auf die genannten Gründe. Genau genommen handelt es sich bei vielen dieser öffentlich geführten Gespräche gar nicht um Selbstgespräche, sondern um Dialoge. Die Menschen sind häufig von Schizophrenie betroffen und sprechen mit einer Stimme, von der sie glauben, es sei nicht ihre eigene.

Wir besitzen die Fähigkeit, zu unterscheiden, ob eine Stimme von außen oder innen kommt. Beim krankhaften Stimmenhören ist diese Kompetenz behindert.

Selbsttest: Sind meine Selbstgespräche förderlich?

Beantworte die folgenden zehn Fragen rund um den Self-Talk mit Ja oder Nein:

  1. Sprichst du dir in stressigen Situationen selbst Mut zu?
  2. Fühlst du dich nach deinen Monologen meist gut?
  3. Hilfst du dir selbst dabei, Entscheidungen zu treffen, indem du mit dir sprichst?
  4. Machst du dir gelegentlich Komplimente?
  5. Denkst du über die Wirkung der Worte nach, die du an dich selbst richtest?
  6. Wusstest du vor diesem Artikel bereits von der positiven Wirkung der Selbstrede?
  7. Hast du motivierende Mantren, die du regelmäßig aussprichst?
  8. Gleichen die Worte, die du an dich richtest, denen, die du verwendest, um mit geliebten Menschen zu sprechen?
  9. Sprichst du mit dir selbst, wenn du alleine bist oder in einer vertrauten Umgebung?
  10. Hast du Freunden von der positiven Wirkung deines Self-Talks erzählt?

Wenn du mehr als fünf Fragen mit Ja beantwortet hast, sind deine Gespräche mit dir selbst förderlich.

Alina von powerfulme

Alina
grübelt viel und gern | zieht Inspiration und Energie aus dem Reisen | sieht die Lösung im Austausch
Schreib uns: info@powerful-me.de

 

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