Eltern sein...

und trotzdem bei sich bleiben

Achte auf dich

Eltern, macht Pause!

Eine gute Mutter sein und gleichzeitig Erfüllung im Beruf finden? Ein guter Vater sein und trotzdem mal einen Abend auf dem Sofa entspannen? Gute Eltern sein und dabei eine glückliche Partnerschaft führen?

Die Balance zwischen Familie, Beruf und persönlichen Bedürfnissen erscheint vielen Müttern und Vätern als ein Ding der Unmöglichkeit – aber sie ist unverzichtbar für ein glückliches, erfülltes Leben!

Erst die Kinder, dann die Eltern

Meist opfern wir unsere persönlichen Bedürfnisse als Erstes, denn das Wohl unserer Kinder ist uns kostbar und von beruflicher Seite können wir nur im besten Falle mit Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft rechnen. Eine völlige Ignoranz unserer eigenen Wünsche macht jedoch auf Dauer krank – die ständige Aufopferung für andere raubt unserem Körper jegliche Energie und lässt unsere Seele verdursten. Im schlimmsten Fall kann dies zu ernsthaften psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Burnout führen.

 

 

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Du musst nicht perfekt sein.

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Kraftspender und Energiefresser gleichzeitig

Natürlich ziehen wir auch ungemein viel Glück und Kraft aus der Elternschaft! Als Mutter oder Vater kennst du das bestimmt: ein neu gelerntes Wort oder unverständliches Gebrabbel, die Unbeschwertheit und Selbstvergessenheit der Kleinen beim ausgelassenen Spiel oder wilden Herumtoben – und das Glück überträgt sich auf dich selbst! Das funktioniert aber auch nur so lange, wie du gleichzeitig deine persönlichen Bedürfnisse im Auge behältst – niemand kann ausschließlich aus dem Glück anderer Erfüllung finden.

Was bedeutet „bei sich bleiben“?

„Bei sich bleiben“ bedeutet im Kern: die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, zulassen und ihnen folgen.
Wie diese Bedürfnisse aussehen, kann von Frau zu Frau und von Mann zu Mann ganz unterschiedlich sein und sich durch verschiedene Lebensphasen hindurch verändern. Die einen streben im Beruf nach Selbstverwirklichung oder in einem Hobby. Andere wünschen sich mehr Zeit mit der Familie und den Kindern und eine erfülltere Partnerschaft. Und wieder andere wünschen sich einfach zwei, drei Stunden mehr in der Woche nur für sich allein.

Jedes dieser Bedürfnisse hat sein Existenzrecht. Natürlich ist das im stressigen Familien- und Berufsalltag immer ein Balanceakt.

Ist der Partner krank und liegt im Bett, musst du dich vielleicht in dieser Woche auch nach einem langen Arbeitstag noch um Kinder und Haushalt kümmern und den Kinoabend mit Freunden absagen. Hängst du auf der Arbeit einer Frist hinterher, musst du vielleicht ein, zwei Überstunden machen und Freunde oder der Babysitter müssen für die Kinderbetreuung einspringen. Trotzdem, es lohnt sich, auch kleine Zeitfenster für deine eigenen Bedürfnisse zu einzurichten. Wie das geht? Öfter mal Nein sagen und ein genaues Bild von den eigenen Bedürfnissen zu haben.

Gestalte dein Leben nach deinen Möglichkeiten

„Und wo soll ich die Zeit hernehmen?“, „Wer bringt dann die Kinder zur Schule?“, „Wer erklärt das meinem Chef?“ – all diese Einwände sind keine Ausreden. Es gibt Umstände, die die Freiheit unserer Lebensgestaltung einschränken. Sie beziehen sich zumeist auf Grundbedürfnisse wie finanzielle Sicherheit, Gesundheit und ein stabiles soziales Netz. Natürlich müssen diese Grundbedürfnisse erfüllt sein. Manchmal gibt es jedoch Lösungen oder Kompromisse, die uns eigentlich mehr Raum für Selbsterfüllung ermöglichen würden – wir stehen uns nur häufig selbst im Weg.

Denk an die Aufforderung im Flugzeug bei Turbulenzen: Zuerst sollst DU dir die Atemmaske aufsetzen, dann anderen helfen.

Was hat das mit deinem Alltag als Eltern- und Joballrounder zu tun? Ganz einfach: Wenn du irgendwann vor Erschöpfung und Burnout aus den Latschen kippst, geht nichts mehr. Dann kannst du gar nicht mehr für Familie, Partner und Job da sein. Deshalb: Übe dich in Selbstliebe und gönn dir Pausen. Das ist aufwändig? Du musst Dinge umplanen? Die Kinder können vielleicht nicht an jedem Sport- oder Musikkurs teilnehmen? Du kannst nicht zu jeder Schulfeier drei Kuchen selbst backen oder die ganze Fußballmannschaft deines Kindes zum Auswärtsspiel fahren? Kann passieren.

Viele Familienalltage sind derart durchgetaktet, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse geradezu „wegorganisiert“ haben. Schluss damit! Der erste Schritt auf dem Weg zum „Eltern sein und trotzdem bei sich bleiben“ ist die Erkenntnis, dass deine persönlichen Bedürfnisse wertvoll sind und ein Recht auf Erfüllung haben.

Tipps für mehr Gleichgewicht im Leben

Zwischen Familie, Beruf und persönlichen Bedürfnissen… Keine Frage: Es ist verdammt schwer, die richtige Balance zu finden! Wir haben deshalb ein paar Tipps für dich, die dir auf diesem Weg helfen sollen.

1. Nimm deine eigenen Bedürfnisse ernst

Du bist wertvoll und hast das Recht auf ein erfülltes und glückliches Leben! Ein solches kannst du nur führen, wenn du deine Wünsche ernst nimmst und sie verwirklichst!

2. Horch in dich selbst hinein

Um deinen Bedürfnissen zu folgen, musst du sie natürlich erst einmal kennen – schon allein hierfür sind Auszeiten wichtig! Nimm dir immer wieder Zeit, um dich selbst zu reflektieren: Wie sieht mein Leben gerade aus? Was möchte ich möglicherweise ändern? Spüre in dich hinein: Wie fühle ich mich? Bin ich glücklich? Was fehlt mir? Was sind meine Ziele? Schreibe sie auf und lies es dir immer wieder durch. Das hilft dir, auf Kurs zu bleiben und dich nicht selbst wieder zu vergessen.

3. Kommuniziere deine Bedürfnisse und deine Grenzen

Du erleichterst dir selbst den Weg zu mehr innerer und äußerer Balance, wenn du deine Bedürfnisse klar kommunizierst. Deiner Familie und deinen Freunden liegt dein Wohlergehen am Herzen. Sie werden es verstehen, wenn du ihnen erklärst, dass du etwas Zeit für dich brauchst. Besonders kleine Kinder sind noch sehr auf die eigenen Bedürfnisse fixiert und können nicht immer verstehen, wenn Mama oder Papa mal nicht sofort springen. Da kann es auch schon mal zum einen oder anderen Konflikt und Knatschereien kommen. Wenn das Eis-Essen mal auf den nächsten Tag verschoben wird, ist das aber noch kein Drama – und für dich kein Grund für den Rest des Tages mit einem schlechten Gewissen herumzulaufen.

4. Befrei dich von Druck und Perfektionismus

Widersteh dem Drang nach Perfektionismus! Es gibt sie nicht, die perfekte Mama, den perfekten Papa, den perfekten Partner oder die perfekte Business-Frau. Setze dich selbst nicht unter Druck, alles perfekt erledigen zu müssen – der Alltag besteht nun mal aus Kompromissen! Du darfst auch mal an einer Aufgabe scheitern, ohne dich selbst dafür zu verurteilen – ohnehin setzen wir an uns selbst oft viel höhere Maßstäbe als andere das tun. Ständig haben wir Angst, andere zu enttäuschen, dabei sehen die wichtigen Menschen in unserem Leben genau hin und bemerken durchaus, dass wir alles geben.

Mach doch mal den Test und antworte ehrlich, wenn dich das nächste Mal jemand fragt, wie es dir geht. Du wirst überrascht sein, wie erleichtert viele Menschen sind, wenn sie erfahren, dass auch andere mit den eigenen Ansprüchen hadern. Das verbindet und macht glücklich, denn du wirst feststellen: Ich bin nicht allein!

5. Lerne, Nein zu sagen

Natürlich ist es eine wunderbare Eigenschaft, für andere da zu sein oder seine Energie und seine Stärken voll und ganz in eine Sache stecken zu wollen – aber nur so lange, wie dabei die eigenen Bedürfnisse nicht zu kurz kommen. Sonst bleibt ohnehin irgendwann nicht mehr viel von der Energie übrig und du kannst weder anderen noch dir selbst gerecht werden! Es ist nur gesund, auch mal Nein zu sagen. Meist stellen wir uns die schlimmsten Konsequenzen eines solchen Neins vor, die aber niemals eintreten.

6. Entwickle ein gutes Selbstmanagement

Eine ganz praktische Alltagshilfe ist ein gutes Selbstmanagement – das ist unabdingbar beim wackligen Balancieren von Familie, Beruf und persönlichen Bedürfnissen. Das A und O: Kalender und To-Do-Listen akribisch führen! Diese Alltagsbürokratie ist nicht jedermanns Sache, aber eine große Entlastung für dich selbst und das familiäre Zusammenleben. Zu einem guten Selbst- und Zeitmanagement gehören auch Absprachen mit dem Partner, den Eltern, Freunden, dem Babysitter, dem Chef. Eine offene Kommunikation kann hier eine Art soziales Auffangnetz schaffen, das dich bei der Alltagsbewältigung unterstützt. Oberste Regel: Ehrlich sagen, wenn du Hilfe brauchst. Du hängst unverhofft länger auf der Arbeit fest? Dann raus aus der Komfortzone, überwinde dich und bitte eine Nachbarin, deine Kinder abzuholen.

7. Gönn dir deine „Me-Time“

Ganz wichtig: Trage in deinen Kalender auch deine „Me-Time“ ein, Zeit, die du wirklich nur für dich selber hast und ganz nach deinen Bedürfnissen gestaltest. Blocke ein paar Stunden „Me-Time“ in der Woche, die du – wie einen beruflichen Termin – für unverschiebbar erklärst. Nutze deine Me-Time für dich und folge deinen Bedürfnissen. Wenn du Ruhe brauchst, mach dir einen entspannten Abend auf dem Sofa. Wenn du einfach mal wieder Spaß haben und allen Alltagsstress vergessen willst, geh mit Freunden etwas trinken. Wenn du wieder mehr mit dir selbst und deinen Bedürfnissen in Kontakt kommen willst, nimm dir Zeit für eine Achtsamkeitsmeditation oder schreibe Tagebuch. Wichtig ist, dass du regelmäßig in dich hineinhorchst, um herauszufinden, was du gerade brauchst. Finger weg von Alltagskram, es sei denn, Bügeln oder die Steuererklärung zählen zu deinen Bedürfnissen.

8. Frag deine Liebsten nach einer „warmen Dusche“

Manchmal haben wir das Gefühl unter all den Anforderungen nichts und niemandem mehr gerecht werden zu können. Das sorgt dafür, dass wir uns selbst fertig machen und ein negativ verzerrtes Selbstbild entwickeln. Frag in diesen Momenten mal deine Kinder, deinen Partner, deine Freunde, Kollegen oder Eltern, was sie an dir schätzen. Du wirst sehen: Sie haben ein ganz anderes, viel positiveres Bild von dir! Vertraue ihnen – so eine „warme Dusche“ tut gut!

9. Lebe gesund

Etwas, was du rund um die Uhr für dich tun kannst: gesund leben! Das bedeutet nicht, auf jedes Feierabendbier, jedes Stück Schokolade, jede Party und alles, was sonst noch Spaß macht zu verzichten. Wenn du aber den Großteil der Zeit auf eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Schlaf und Zeit an der frischen Luft achtest, werden Körper und Seele es dir danken.

10. Finde Wege, mit Stress umzugehen

Neben einer gesunden Lebensweise gibt es noch andere Möglichkeiten, größere Resilienz gegenüber Stress zu entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel achtsamkeitsbasierte Trainings wie Meditationen oder MBSR. Sie schaffen stärkere Verbundenheit mit dir selbst, deiner Umwelt und dem Hier und Jetzt. Wenn du mit mehr Gelassenheit durch den Alltag gehst, wird dir auch die Balance zwischen Familie, Beruf und persönlichen Bedürfnissen besser gelingen!

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