Kinder-Yoga und Meditation

Interview mit Susanne Marzak

von | 06.10.2020

Achtsamkeit und Meditation für Kinder

Interview mit Susanne Marzak

Yoga wirkt sich positiv auf Geist und Körper aus und ist deshalb auch sehr gut für Kinder geeignet. Denn auch auf Kindern lastet Druck. Egal ob es sich dabei um Anforderungen in der Schule oder im Familienalltag handelt. 

Kinder können schon früh Meditation und Achtsamkeit üben, wenn sie spielerisch und mit Bewegung herangeführt werden. Diesem Ziel hat sich Susanne Marzak gewidmet. Im Interview verrät sie uns, wie sie zum Yoga kam und gibt auch wertvolle Tipps für Kinder-Yoga zu Hause.

Susanne Marzak

Fragen an die Expertin

Susanne Marzak im Interview

Mit 123 Yoga! bietet Susanne Marzak seit einigen Jahren in Köln Yoga für Kinder und Teenager an. Ihr Ziel: Den Kindern einen Weg zeigen, sich und ihren Körper besser wahrzunehmen. Ihre Kurse bietet sie auch an Schulen in Form von AGs sowie Ferien-Workshops an.

Im powerful:me-Interview spreche ich mit Susanne über ihre Yogaleidenschaft und warum gerade Kinder und Jugendliche mal eine Yoga-Auszeit brauchen.

Susanne, wann und warum hast du den Entschluss gefasst, Yoga zum Beruf zu machen?

S.M.: Vor circa vier Jahren hatte ich den Wunsch, neben meinen Schreibtisch-Tätigkeiten noch etwas Neues, etwas Aktives zu machen. Und da ich leidenschaftlich gerne Yoga praktiziere und Kinder super finde, kam ich auf die Idee, Kinderyoga-Lehrerin zu werden. Bevor ich mich zu einer Ausbildung angemeldet habe, habe ich erst einmal bei zwei Kinderyoga-Lehrerinnen hospitiert, um ein Gefühl dafür zu kommen.

Und schon nach der ersten Stunde war mir klar: Das ist es!

So habe ich dann vor drei Jahren eine Ausbildung zur Kinderyoga-Lehrerin absolviert. Eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

Kinder-Yoga

S.M.: Auch wenn ich seit vielen Jahren Yoga praktiziere und mich viel mit Yoga beschäftige, bin ich noch keine „offiziell“ ausgebildete Yoga Lehrerin. Allerdings befinde ich mich gerade in einer 500-stündigen Hatha-Yoga-Ausbildung und absolviere zusätzlich eine Yoga-Philosophie-Ausbildung. Das ist hochspannend, wenn man bedenkt, dass die Lehren und Schriften teils über 2.000 Jahre alt sind.

Es ist so ungemein modern und lebensnah, was Yoga eigentlich ist.

S.M.: Das bereichert mein Leben sehr nachhaltig. Für mich ist Yoga Teil meines Lebens geworden und Yoga ist ja nicht nur die körperliche Praxis, wie einige glauben.

Yoga ist eine Lebenseinstellung, und -haltung. (S.M.)

Warum ist Yoga für Kinder so wichtig?

S.M.: Durch Gleichgewichts- und Kraftübungen sowie durch Entspannungseinheiten trägt Yoga auch bei Kindern zu einem guten Körpergefühl bei. Also Wohlbefinden für Geist und Körper. Da Yoga kein Wettbewerb ist, kann sich jedes Kind individuell entwickeln. In meinen Stunden lege ich auch großen Wert auf Respekt, Empathie oder Dankbarkeit. Hier gebe ich den Kindern immer mal wieder kleine, schöne Aufgaben. Das fördert ein gutes Miteinander und schult die emotionale Intelligenz.

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Fantasiereisen und Yoga-Stunden: Woraus ziehst du deine Inspiration für die Konzeption?

S.M.: Während meiner Ausbildung zur Kinderyoga-Lehrerin und danach habe ich natürlich viel gelesen, und alles aufgesaugt, was es an spannender und guter Literatur oder Stundenbildern gibt. Zudem kenne ich mittlerweile ein paar Kinderyoga-Lehrerinnen und wir tauschen uns untereinander immer wohlwollend mit Tipps aus. Was mir an meinem zweiten Beruf sehr zugute kommt, ist meine ausgeprägte, verspielte Fantasie. So habe ich schon schöne Stunden im Handumdrehen konzipiert.

Aber als Kinderyoga-Lehrerin kannst du dich nicht stur an deinem Stundenkonzept halten, sondern musst flexibel reagieren.

Schon öfters habe ich meine konzipierte Stunde während der Stunde spontan umgestaltet oder überworfen, weil die Kinder entweder müde oder aufgekratzt waren. Oder, weil die Gruppe plötzlich unruhig wurde. Beim Kinderyoga ist Flexibilität gefragt.

Flexibel bleiben

Welche Tipps gibst du Eltern, die zuhause Yoga mit ihren Kindern machen?

S.M.: Ich denke, die Eltern sollten selbst Freude an Yoga haben, müssen sie gleichwohl natürlich nicht. Aber wie immer im Leben kann man Dinge oft besser vermitteln, wenn man es selbst lebt. Es gibt im Internet sicher Videos zur Inspiration, oder man kauft sich ein Buch mit Ideen.

Neben der körperlichen Praxis sollten die Ruhephasen nicht zu kurz kommen.

Man könnte zum Ende eine Geschichte vorlesen, eine kleine Massage geben, ein Lied gemeinsam singen. Das verbindet und bringt Gelassenheit innerhalb der Familie. Das mache ich zum Ende meiner Stunden auch. Doch leider kann ich die Kinder wegen Corona nicht mehr massieren, aber Entspannungsgeschichten stehen hoch im Kurs und anstatt zu singen, summen wir jetzt.

Veränderungen durch Yoga?

powerful:me: Kannst du bestimmte Veränderungen bei Kindern sehen, die schon länger Yoga praktizieren?

Körperbewusstsein

S.M.: Ich habe schon großartige Veränderungen bei Kindern erlebt. Manche Kinder begleite ich nun seit drei Jahren bzw. sie mich. Und klar, sie entwickeln sich gerade in diesem Alter enorm. Vielen Kindern fällt es schwer, anfangs z.B. auf einem Bein zu stehen, das klappt nach einer Zeit ganz gut.

Stille zulassen

S.M.: Anderen Kinder fällt es anfangs schwer, in die Ruhe, in die Stille zu finden. Das können nicht alle Kinder. Doch nach einiger Zeit kann es sein, dass sie zumindest in der Endentspannung mal zwei von insgesamt acht bis zehn Minuten ruhig auf ihrer Matte liegen, der Geschichte lauschen und nicht ständig in Bewegung sind. Dann freue ich mich schon sehr für das Kind.

powerful:me: Du hast dich in einem achtwöchigen Seminar mit dem Stressreduktionsprogramm MBSR auseinandergesetzt.

Welche deiner Erkenntnisse fließen in deine Kinder-Yoga-Stunden ein?

S.M.: Das kann ich gar nicht genau benennen, aber sicher fließt einiges unbewusst in meine Stunden ein. In dem MBSR-Kurs haben wir achtsames Essen geübt, also sich NUR auf das, was ich esse, zu konzentrieren. Mit den Kindern habe ich dann die Schmeck-Meditation gemacht.

Das war gar nicht so einfach, denn unsere Gedanken sind ja meistens wie wilde Äffchen, die herumtoben. (S.M.)

S.M.: Diese Achtsamkeitsübung habe ich mit den Kindern mit einem Stück Schokolade und einem Stück Apfel gemacht. Und ich war sehr erstaunt, wie konzentriert sie bei der Sache waren und alle fanden diese Übung ganz toll. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und sie fanden es nicht wegen der Schokolade oder dem Apfel toll, sondern wegen der Übung.

Yoga in der Familie

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Was würdest du Eltern oder Lehrpersonal raten, die planen, Yoga-Stunden an Schulen einzuführen?

S.M.: Ich wünsche mir grundsätzlich für alle Kinder, dass ein Mix aus Yoga, Meditation und Achtsamkeit in die Lehrpläne einzieht. Und wenn es nur fünf oder zehn Minuten am Tag sind. Man sollte sich schon mit Yoga beschäftigt haben, um es authentisch und „richtig“ weitergeben können, sodass die Kinder Freude daran gewinnen. Also, jemand, die/der selbst Yoga praktiziert, sollte Yoga mit Kindern anbieten. Und klar: Die- oder derjenige sollte ein Faible, ein Gespür für Kinder haben.

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Wie vermittelst du den Kindern eine achtsame Haltung zu sich selbst? Was trägt Yoga dazu bei?

S.M.: Yoga kann dazu viel beitragen. Beispielsweise in der körperlichen Praxis nicht zu weit zu gehen, und auf seinen Körper zu „hören“. Ich erkläre den Kindern z.B., dass jeder Körper anders ist, und der eine das kann und der andere dieses. Oder die Selbstregierung bei Gefühlen.

Wut, Ärger oder Nervosität gehören auch zum Leben eines Kindes.

Wichtig ist eben, wie man damit umgeht. Ich habe den Kindern z.B. ein paar schöne Atemübungen gezeigt, wie sie wieder in den Fokus kommen können. Und einige Kinder haben mir schon großartige Rückmeldungen gegeben, wie sie die Atemübungen im Alltag eingesetzt haben: Angst vor der Mathearbeit oder Streit mit der Mama. Darüber freue ich mich natürlich sehr.

Atemübungen sind für Kinder sehr nützlich

Du bietest die Glücks-AG an, was machst du in diesem Projekt mit den Kindern?

S.M.: Meine Glücksforscher AG war großartig, doch wegen Corona pausiert auch diese AG derzeit. Mit meinen kleinen Glücksforschern habe ich mich z.B. auf die Suche begeben, was uns persönlich glücklich macht. Da kamen wunderbare Aussagen von den Kindern. Eine werde ich nie vergessen.

Ein sechsjähriges Mädchen sagte spontan: „Dass die Liebe erfunden wurde“. Ich bin fast weggeschmolzen.

Wir haben uns Fragen gestellt, wie sich Glück anfühlt, oder warum verdoppelt sich Glück, wenn man es teilt. Wir haben Menschen zum Glück befragt, haben Werbeplakate für das Glück gestaltet und diese in der Schule aufgehangen. Wir haben aber auch auf Dinge geschaut, die uns nicht glücklich machen können. In der Summe waren die Kinder sehr neugierig und sehr kreativ.

In dem Zusammenhang ist es sehr interessant, dass wir alle – auch Kinder – Glück empfinden und glücklich sein erlernen können wie eine Fremdsprache. (S.M.)

S.M.:Und Glück fördert auch bei Kindern Kompetenzen wie Selbstvertrauen, Achtsamkeit, Gefühlsregulation, Einfühlungsvermögen, positives Denken etc.

Kinder lernen positiv zu denken

Was sind deine persönlichen Tipps, die du beherzigst, wenn es mal stressig wird?

S.M.: Leider schaffe ich es nicht immer, mich aus stressigen Situationen „befreien“ zu können. Auch wenn ich um die vielen wertvollen Tools weiß, tappe ich immer mal wieder in alte Verhaltensmuster.

Seit einiger Zeit meditiere ich jeden Morgen etwa 15 bis 20 Minuten.

Das tut mir gut, denn schon nach dem Aufwachen rattern die Gedanken auf meiner To-Do-Liste. Außerdem kann ich mich mittlerweile gut abgrenzen und „Nein“ sagen, achte mehr auf meine eigenen Bedürfnisse. Ich kann und möchte nicht immer im Außen sein.

Durch Yoga habe ich gelernt, mich mit mir verbinden zu können. (S.M.) 

S.M.: Denn Freude, Glück und Zufriedenheit ist ja in mir und das gibt mir schon sehr viel Gelassenheit und trägt für Selbstfürsorge bei. Und wenn es mal turbulent wird, dann gehe ich auf die Terrasse oder in die Natur, schaue in den Himmel und versuche mir selbst ein Lächeln zu schenken.

powerful:me: Lieben Dank für das Interview, Susanne!

(Bildnachweis: Susanne Marzak © Peter Lindemann)

Lisa von powerful:me

Lisa
ist viel draußen | sieht die Welt optimistisch | lernt gern Menschen kennen
Schreib uns: info@powerful-me.de

 

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